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Selbsthypnose für Fortgeschrittene
 
Suggestive Leitsätze und Bitten an das Unterbewusstsein

 
Die Selbsthypnose an sich kann schon das Erlebnis einer inneren Freiheit, Ruhe und Distanz mit sich bringen. Neben der Möglichkeit abzuschalten und Zugang zu diesen Quellen zu bekommen, besitzt man mit der Selbsthypnose darüber hinaus die Möglichkeit, zu lernen, wie man gezielt das Abstellen von unerwünschten Handlung unterstützen und die Entwicklung von erwünschten Eigenschaften und Verhaltensweisen anregen kann. Denn die vielfach verbreitete Meinung, man müsse sich immer erst die alten negativen Erfahrungen bewusst machen und durcharbeiten, bevor man seine Ziele erreichen und Verantwortung für das eigene Leben übernehmen kann, ist falsch. Es gibt genügend Beweise, daß man sich auch von alten hinderlichen Zwängen und Leid lösen kann, indem man die Aufmerksamkeit auf das richtet, was wünschenswert und wertvoll ist.
 
Wirkungen von Trance
 
Eine treffende Beschreibung von Hypnose oder Trance könnte so lauten: In diesem selbsterzeugten Zustand überwiegt die unwillkürliche Selbststeuerung. Es ergibt sich ein mehr fließender, unstrukturierter Prozess. Dieser Zustand ist uns allen auch ohne bewusst eingesetzte Selbsthypnose wohlbekannt. Wir benennen ihn nur anders, wir reden von Tagträumereien.
 
Tatsächlich zeigen neue Forschungsergebnisse aus den USA, daß wir uns täglich in einem natürlichen Rhythmus zwischen nach außen gerichteter Aufmerksamkeit und nach innen gerichteter Trance bewegen. Medizinische Untersuchungen belegen, daß Trance sehr gesund ist, weil sich der Organismus in dieser Zeit erholt. So belegen Ergebnisse amerikanischer Studien, daß nichts besser gegen Erkältung und Grippe hilft als Entspannungstraining.
 
Und es sind außerdem kreative Momente, in denen wir Lösungen zu Problemen, mit denen wir uns in der nach außen gerichteten Phase beschäftigen finden können. Wissenschaftler wie z. B. Einstein haben in solchen (tagträumerischen) Trancen Lösungen zu wissenschaftlichen Problemen gefunden.
 
In den USA gibt es viele Firmen, die diesen wissenschaftlichen Ergebnissen Rechnung tragen. Dort haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, ein Schild vor die Tür zu hängen, auf dem steht, dass sie eine "Auszeit" nehmen. Diese Anpassung des Arbeitsrhythmus an die biologischen und seelischen Bedürfnisse des Mitarbeiters zahlt sich sowohl für den Mitarbeiter als auch für die Firma aus: die Arbeitsleistung verbessert sich und der Krankheitsstand sinkt.
 
Leider haben die meisten von uns über Jahre hinweg diesen natürlichen Rhythmus so häufig ignoriert, ja ihn sogar mit Zigaretten, Kaffee und anderen Drogen zu verändern versucht, daß wir das Bedürfnis nach einer Trance gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Und hier setzt die Selbsthypnose an. Sie regt die natürlichen kreativen, heilenden und problemlösenden Zustände wieder an. Wir haben die Chance über diesen Weg wieder in Kontakt mit unseren natürlichen Rhythmen zu kommen. Und über diese kommen wir auch wieder mit unseren kreativen, problemlösenden Fähigkeiten in Kontakt.
 
Viele Wege, das gleiche Ziel
 
Wollen wir nun absichtlich eine Trance erleben, so gibt es viele unterschiedliche Wege, die alle zum gleichen Ziel führen. So gibt es verschiedene, sehr strukturierte Vorgehensweisen, dazu zählt z. B. das Autogene Training. Auch die [ebenfalls von mir vermittelte] Progressive Muskelentspannung, (die oft unter dem neudeutschen Begriff Progressive Muskelrelaxation angeboten wird) gehört zu diesen Methoden
 
Ein anderer Weg ist die von mir vorgestellte Methode der Selbsthypnose, die ich schon im  Grundkurs I  und  Grundkurs II  vorgestellt habe und die ich hier nur noch einmal kurz vorstellen will. Man kann sie im Gegensatz zum Autogenen Training als eine natürliche Methode bezeichnen, denn hier gehen wir von unserer Wahrnehmung aus und werden ein beschreibender Beobachter der Wahrnehmung, anstatt uns etwas einzureden. Zu Beginn bitten wir unser Unbewußtes um eine schöne Trance und darum nach 10, 15 oder mehr Minuten ganz wach, frisch und ausgeruht zu sein. Anschließend fixieren wir zum Einstieg einen gut sichtbaren Punkt.
Zu Beginn bleiben die Augen meist offen, dann werden die Augenlider schwerer, der Blick wird mit der Zeit tunnelartig verengt und dann fallen die Augen meist irgendwann zu. Bei einigen bleiben sie die ganze Zeit über auf, andere wiederum schließen bewusst von Beginn an die Augen. Probieren Sie aus, was für Sie das Beste ist. (Und das Beste kann morgen etwas anderes sein.)
 
Beim weiteren Vorgehen gibt es zwei Möglichkeiten und ich lade Sie ein beide auszuprobieren, um festzustellen, was Ihnen besser zusagt.
 
Die erste Vorgehensmöglichkeit ist leicht strukturiert (und so nicht in meinen Anleitungen Grundkurs und Grundkurs II enthalten): Nachdem Sie ihre Aufmerksamkeit auf einen leicht zu sehenden Punkt gerichtet haben, machen Sie vier Aussagen über das was Sie sehen, dann vier Aussagen, was Sie hören, dann vier Aussagen was Sie spüren. Anschließend beginnen Sie wieder mit dem Sehen, nur daß Sie diesmal drei Aussagen machen. Das gleiche geschieht wieder mit dem Hören und dem Fühlen. Dann beginnen Sie das ganze wieder von vorne, diesmal nur mit zwei Aussagen über das Sehen, Hören und Fühlen. Und dann noch eine letzte Runde mit einer Aussage über das Sehen, Hören und Fühlen. Bei geschlossenen Augen ersetzen Sie die äußere Bilder durch innere. (Selbstverständlich achten Sie auch Ihr inneres Hören.)
 
Die Vorgabe, mit dem Sehen anzufangen kann individuell geändert werden, d. h. es kann auch mit dem Hören oder Fühlen begonnen werden, wenn das besser zu Ihnen paßt.
 
Bei der zweiten Vorgehensmöglichkeit, die ich schon in Grundkurs I und Grundkurs II vorgestellt habe, wird dagegen nicht fest mehrmals der gleiche Sinneskanal (sehen, hören und fühlen) in den Aufmerksamkeitsfokus genommen, sondern man überlässt sich von Beginn an dem fließenden, freien Prozess und benennt das, was gerade in die Wahrnehmung tritt, sei es sehen, hören, fühlen, schmecken oder riechen.
 
Wir spiegeln also nur unser momentanes Erleben, ohne etwas verändern zu wollen. Nun entwickelt sich von selbst eine große Bereitschaft unseres Unbewußtes Veränderungsanstöße in Form von Affirmationen, formelhaften Vorsätzen, Bitten etc. anzunehmen. Wir können uns dies so ähnlich vorstellen, wie eine Begegnung mit einem Menschen, der uns so, wie wir sind 100% annimmt und sich uns anpasst. Ihm werden wir eine Bitte schwerlich abschlagen können.
Besonders empfehlenswert ist dieses Vorgehen, wenn Ist- und Zielzustand weit auseinander klaffen. Hier kann man immer wieder zwischen dem Registrieren des Jetzt-Zustandes eine Bitte einfließen lassen.
 
Beispiel: Ich bin sehr nervös und möchte gerne ruhig und gelassen werden. Ich benenne also 3 bis 4 mal das, was gerade an Sinnenreizen in den Vordergrund tritt und äußere dann meine Bitte: "''Und ich möchte so gerne ganz ruhig und gelöst sein.'' "Und dann registriere ich weiter wieder die nächsten 3 - 4 Sinneswahrnehmungen und streue dann wieder meine Bitte ein, etc.
 

 
Die Kunst das Unterbewusstsein anzusprechen
 
So wie die Selbsthypnose unter verschiedenen Namen - Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Alpha-Training etc. - bekannt ist gibt es auch für die Beeinflussung des Unbewussten verschiedene Namen: 'Suggestion', 'Affirmationen', 'Leitgedanke', oder 'Formelhafter Vorsatz'. Wir könnten aber auch 'kontrolliertes Selbstgespräch' dazu sagen, denn es ist ja ein Selbstgespräch, unterscheidet sich aber von dem normalen Selbstgespräch, weil wir uns genau überlegen, was wir uns sagen. Das gewöhnliche Selbstgespräch dagegen verläuft nur halb bewusst, und wir reagieren darauf, als ob wir keine Kontrolle darüber hätten. Im normalen Selbstgespräch halten wir das Welt- und unser Selbstbild aufrecht. Das heißt wir reden uns ein, wie die Welt und wie wir sind, was möglich ist und was nicht, und auf diese Annahmen über uns und die Anderen reagieren wir und werden dann - wir können von einer selbsterfüllenden Prophezeiung sprechen - bestätigt. (Und unsere Annahmen sind fest wie Beton, weil wir vergessen haben, was wir gemacht haben und noch immer tun. ) Gleichzeitig vermittelt uns das auch ein Gefühl von Sicherheit, sogar wenn die Beschreibungen uns einengen, weil wir das, was wir uns einreden kennen. Und Bekanntes gibt ein sicheres Gefühl.
 
Selbstgespräche sind also sehr wirkungsvolle Suggestionen - wir können auch Hypnose dazu sagen, wenn auch nicht mit dem Effekt, unsere Möglichkeiten auszuschöpfen und zu erweitern, sondern häufig unsere Einschränkungen zu bestätigen.
 
Für alle Suggestionen, ob bewusst gesteuert oder unkontrolliert ablaufend, gelten aber die gleichen Gesetzmäßigkeiten und daraus können wir entsprechende Folgerungen für unser Vorgehen ziehen.
 
Vermeiden Sie Verneinungen !
 
Die wichtigste Gesetzmäßigkeit ist, dass das Unbewusste (und das direkte, das sinnliche Erlebnis) keine Verneinungen kennt. Das ist leicht nachzuvollziehen. Verneinung ist eine sprachlich - logische Leistung. Solange wir keine Sprache hatten, also als Kleinkinder nur direkt erlebten, gab es nur das, was da war. Ich kann etwas mit meinen Augen sehen, aber ich kann mit meinen Augen nicht sehen, daß etwas nicht da ist, sondern nur aufgrund dessen was ich sehe logisch schließe. Dass über etwas gesprochen werden kann, was nicht da ist, ist aufgrund von Logik (Abstraktion) möglich, die aber erlernt werden muss, also eine geistige Handlung ist. (Und wir wissen gar nicht mehr, wie schwer es war, bis wir das gelernt haben.) Und das Unterbewußtsein versteht wie ein Kleinkind direkt und ignoriert die Verneinung.
 
Vielleicht kennen Sie ja den Scherz, man erhalte Tausend Mark, wenn man die nächsten 10 Minuten nicht an einen rosa Elefanten denkt. Wie immer man es auch anstellt, man muß zuerst an einen rosa Elefanten denken, um zu wissen, woran man nicht denken soll. Aus dem gleichen Grunde fällt ein Kleinkind, dessen Erleben rein primär ist eher, wenn man es ermahnt: "''Fall nicht !''" Es vollzieht das Fallen, um zu verstehen, was es vermeiden soll. Um nun die Gefahr zu vermindern, dass das Kind fällt, müssen wir eine positive Formulierung benutzen: "''Halte Dich aufrecht !''" Und genau das ist auch bei der Formulierung einer Suggestion zu beachten. Die Bitte muß also wohlgeformt, d. h. ohne Verneinung sein, da das Unterbewußtsein in einem ersten Schritt Verneinungen herausfiltert, und dadurch das Unerwünschte verstärkt wird.
 
Das ist also eine sehr wichtige Regel in der Formulierung von Suggestionen:  Vermeiden Sie Verneinungen!  Die Verneinung wird auf dem Weg in das Unterbewußtsein gelöscht, da das Unterbewußtsein primär, d. h. sinnlich erlebt und versteht.
 
Was wenig beachtet wird, aber sehr wichtig ist, auch Worte mit der Vorsilbe un- (wie in unbefangen) und ent- (wie in entspannt) sind Verneinungen. Langen, ein bekannter Fachmann für Autogenes Training berichtete, Untersuchungen hätten gezeigt, daß der Organismus auch hier die Verneinung ignoriert und das unerwünschte Resultat umsetzt (z.B. zuerst einmal auf das "entspannt" mit erhöhtem Muskeltonus reagiert).
 
Leider wird dies in vielen Selbsthilfebüchern weder vom Autor, noch vom Übersetzer berücksichtigt. So wird dann aus dem englischen "Relaxation" eine teutonische  Ent-spannung.
 
Fördern Sie Eigenschaften, die den meisten von uns fehlen
 
Das Wort Angst ist ebenfalls zu vermeiden. Hier sollte zielgerichtet formuliert werden und dabei Begriffe wie Mut , Selbstsicherheit oder Selbstvertrauen einbezogen werden.
 
Überhaupt empfiehlt es sich die  Eigenschaften, die uns am häufigsten abgehen wie Mut, Selbstvertrauen, Selbstsicherheit, Selbstgeborgenheit, Gelöstheit, Gleichmaß und Abstand so oft wie möglich zu verwenden.
 
Formulieren Sie in der  Gegenwartsform
 
Als günstig hat sich auch herausgestellt, daß man in der Gegenwartsform formuliert.
 
Aber keine Regel ohne Ausnahme. Manchmal benötigt das Unterbewußtsein die Zeit, eine Idee anzunehmen, um sie überhaupt umsetzen zu können. Bei sehr starken Schmerzen oder Krankheiten wäre deshalb eine Gegenwartsformulierung ein zu großer Widerspruch zu den Tatsachen. Hier ist eine zukunftsorientierte Suggestion, wie z. B.: "''Bald wird der Schmerz nachlassen'' "vorzuziehen.
 
Bei Verhaltensbeeinflussungen ist aber grundsätzlich die Gegenwartsform vorzuziehen, kombiniert mit einer lebendigen Vorstellung des gewünschten Resultates.
 
Gestalten Sie ein attraktives Zielbild
 
Sehr wichtig: Jede Suggestion wird verstärkt, wenn man zusätzlich ein geistiges Bild des gewünschten Ziels vor dem inneren Auge hat. Es gibt Fachleute, die behaupten, dass grunsätzlich zu jeder Suggestion automatisch ein Bild im Unterbewußtsein entsteht. Angenommen, das stimmt, dann wäre es bedenkenswert, ob wir uns nicht bewusst Gedanken über den möglichen Inhalt machen, d. h. unser Zielbild bewußt gestalten sollten.
 
Experimentieren Sie damit. Vielleicht stellen Sie ja fest, das Unterbewußtsein macht seinen Job so gut, ich kann ihm den Entwurf auch überlassen. Vielleicht aber merken Sie, ihr Unterbewusstsein arbeitet besser, wenn Sie es durch bewusst gestaltete Zielbilder unterstützen.
 
Will man nun gegenüber einem Reiz gleichgültig werden, ist eine Kombination der bewährten Formel "''völlig gleichgültig'' "mit "''in jeder Situation'' "empfehlenswert. Beispiel: "''Rauchen ist in jeder Situation vollkommen gleichgültig.''
 
Wenn der Leitgedanke einige Zeit eingeübt ist, kann die Formulierung "'in jeder Situation'" in vielen Fällen wegfallen.
 
Eine Suggestion, formuliert als Erlaubnis ("'Ich lasse mich''") oder als Tatsache ("'Ich kann'") wird meist eher ausgeführt werden als ein Befehl ("'Ich werde'"). Wenn aber ein (unbewusstes) Bedürfnis vorliegt, genaue Anweisungen zu erhalten, wirken Befehle besser. Wenn also eine Suggestion als Erlaubnis formuliert bei Ihnen nicht wirkt, experimentieren Sie mit der Befehlsform. So hatte jemand sehr guten Erfolg mit der Formel: "''Zuhören ! - Mund halten ! - wohl fühlen !''
 
Verknüpfen Sie ein Wohlgefühl mit dem Zielzustand
 
Einige Fachleute empfehlen bei Leitsätzen immer ein Wohlgefühl mit einzubeziehen, um das angestrebte Ziel zusätzlich zu unterstützen. Die folgenden Blankoformulierungen haben sich in vielen Fällen bewährt. Aber bevor Sie diese übernehmen, prüfen Sie bitte, ob sie zu Ihnen passen:
 
1. Ich bin X (,Y) *  und frei,
 
und ich fühl' mich wohl dabei!
 
2. Ich bin X (,Y) *  und heiter,
 
und verbesser' diese Kunst
 
voller Freuden weiter.
 
3. Ich bin X (,Y) *  und frei,
 
und fühle mich sicher und wohl dabei!
 
( *  X u. Y = angestrebte Ziele)
 
Würdigung der Lebensumstände und anderer Ziele
 
Weiterhin ist abzuklären, ob das erwünschte Ziel zu Ihren anderen Zielen und Vorgehensweisen passt und keine neuen Konflikte mit der Innenwelt oder auch mit der Umwelt erzeugt. Man spricht hier auch von "'persönlichkeitsgerechter'" Formulierung. In Falle eines solchen Konfliktes muss überlegt werden, wie alle Teile zu ihrem Recht kommen.
 
Ich empfehle grundsätzlich eine Überprüfung, ob alle Teile zustimmen können, nicht nur in Bezug auf das Ziel, sondern auch für die Formulierung der Bitte oder des formelhaften Vorsatzes. Zwar habe ich keine handfesten Beweise für meine Empfehlung, aber es liegt nahe, dass eine Formulierung, die alle Einwände bedacht hat eine größere Wirkung besitzen wird als ein Satz, der nicht überprüft wurde, einfach weil dann ein möglicher widersprechender Teil nicht berücksichtigt wurde. Je mehr innere Zustimmung desto mehr unterstützende und desto weniger dagegen arbeitende Energie.
 
Eine gute Möglichkeit, das Ziel und die Formulierung der Suggestion zu überprüfen ist ein Spüren nach innen, während man daran denkt. Und solange man nicht wirklich ein sehr zufriedenes Gefühl bei dem Gedanken hat, sollte man sich fragen, was braucht es noch, um sich ganz rund zu fühlen, damit es stimmt bzw. ein harmonisches Bild abgibt. (Dieses Vorgehen unterscheidet sich damit auch von den Ratgebern immer positiv zu denken. Diese Ratgeber ignorieren in der Regel, daß eine Affirmation zur persönlichen Geschichte und den individuellen Zielen, die ja auch widerstreitend sein können passen muss.)
[Eine hervorragende Anleitung effektiver mit sich zu kommunizieren wird in dem Buch von Ann Weiser Cornell: Focusing - Der Stimme des Körpers folgen (rororo) beschrieben. Zum Selbststudium geeignet!]
 
Weitere Tipps
 
In der Praxis hat sich oft folgende Kombination als hilfreich herausgestellt: Zu einem angestrebten Ziel bildet man eine passende Suggestion, die man mit einer Vorstellung verbindet. Zusätzlich formuliert man noch eine Bitte, die man während der Tranceeinleitung, bzw. abends beim Einschlafen einstreut. So hatte jemand sehr guten Erfolg mit der Suggestion: "''Ich bin zu jeder Zeit ganz ruhig, gelassen und frei, und fühle mich sicher und wohl dabei.''" , die er sich tagsüber in ruhigen Momenten öfters sagte. Dazu verwendete er abends beim Einschlafen noch die Bitte: "''... und ich möchte so gerne ruhig und gelassen sein.  Und als Vorstellung nahm er das Bild eines ehemaligen Vorgesetzten, der all diese Eigenschaften ausstrahlte und versetzte sich an dessen Stelle.
 
Nach meiner Erfahrung wirken Bitten besonders stark. Wenn diese Form Ihnen zusagt, ist das empfehlenswert. Sonst lassen sie es.
 
Und nehmen Sie sich immer nur ein Ziel zur gleichen Zeit vor und bleiben dann einige Zeit dabei, damit keine Wirkungsstreuung eintritt.
 
Was tun, wenn die Suggestion / Bitte nicht wirkt
 
Sollte die Suggestion / Bitte nicht erfüllt werden, so kann dies mehrere Gründe haben. Vielleicht haben Sie sich so verhalten wie der Mann, der zu Gott betete: "''Herr, ich bitte Dich um mehr Geduld, aber ein bisschen plötzlich !'' . Und wenn Ihr Unterbewusstsein auf diese Forderung nicht eingehen will, könnte diese Weigerung nicht auch ein Ausdruck Ihrer Würde sein ?
Vielleicht ist die Suggestion aber auch nicht ausreichend getestet worden, ob sie zu ihrer Persönlichkeit paßt. Soll heißen, vielleicht waren Sie, weil Ihnen auf der bewußten Ebene dieses Ziel so wichtig war, bei der Überprüfung, ob das Ziel auch zu ihren Lebensumständen und den anderen (mehr unbewussten)Zielen passt nicht ernst genug und verhielten sich nach der Methode: "'Augen zu und durch'.".
 
Vielleicht ist es aber auch ein zu weit gestecktes Ziel, welches unterteilt werden muß in gut umsetzbare Zwischenziele. Ein 1000 Gramm Brot in einem Stück zu essen ist ja auch nicht möglich. Klären Sie das bitte mit Ihrem Unterbewußtsein!
 
Spüren Sie nach innen, nehmen Sie alles was Sie wahrnehmen ernst, auch kleine Regungen - mit einem Satz: nehmen Sie sich wichtig!
 
Das benutzen, was man schon immer getan hat
 
Zum Abschluss möchte ich Sie noch einmal erinnern, daß Sie all die erfolgreichen Strategien, mit denen Sie sich täglich so optimal in Ihrem Selbstbild und Weltbild bestätigen -"'Ich kann das und das nicht.'" "'Ich werde das nie begreifen.'" "'Ich bin ein Versager.'" "'Niemand ist an mir interessiert.''" etc. - selbstverständlich auch einsetzen können, um sich andere hypnotische Inhalte zu vermitteln.
 
Z. B. welche Art von Stimme benutzen Sie in ihren Selbstgesprächen? Bleiben Sie bei dieser wohlvertrauten, erfolgreichen Stimme und ersetzen Sie den Inhalt durch die erarbeiteten positiven Formulierungen. Die Stimme ist Ihnen noch was Positives schuldig, lassen Sie sie für Ihre Ziele arbeiten! (Ein guter Freund von mir hatte diese Stimme als die seiner Mutter identifiziert. Als er sie dann die neuen Sätze, die ihn unterstützten innerlich sprechen hörte, war er ganz gerührt.)
 
Und wie ist die Qualität - nicht der Inhalt - der Bilder, die Sie sich innerlich machen? Besonders die Bilder, die bisher so erfolgreich Sie gehemmt haben. Sind sie hell, dunkel, begrenzt, offen, links, rechts oder direkt vor Ihnen? Dann untersuchen Sie die Bilder, die Ihnen auch in der Vergangenheit schon ein gutes unterstützendes Gefühl gaben. Untersuchen Sie diese Qualität, vielleicht mit Hilfe einer Freundin oder einer/m Therapeutin/en und färben sie das Zielbild ähnlich ein, gleichzeitig achten Sie darauf, daß Sie die Qualität der hemmenden Bilder aus den Zielbildern rauslassen. Aber vielleicht ist eine bestimmte Qualität eines hemmenden Bildes gleichzeitig auch eine sehr kraftvolle, die das Ziel doch unterstützen kann. Experimentieren Sie mit all diesen Elementen, stellen Sie fest, was das Zielbild attraktiver werden lässt, was ihnen Energie gibt, welche Farbqualität, welche Helligkeit, welche Größe es sehr anziehend machen.
 
Sie sind der Regisseur, erinnern Sie sich daran! Beobachten und experimentieren Sie, die eingesetzte Zeit lohnt sich!
 
Zusammenfassung:
 
Ein Leitgedanke wirkt gut, wenn er

  • positiv ist, dass heißt keine Verneinungen enthält
  • zur persönlichen Situation passt
  • (normalerweise) in der Gegenwartsform gebildet ist
  • allein, also nicht mit anderen zur gleichen Zeit verwendet wird
  • über mehrere Wochen regelmässig benutzt wird
  • ein ausführbares Ziel enthält
  • so kurz wie möglich ist
  • möglichst in Reimform ist
  • möglichst rhythmisch gesprochen werden kann
  • mit Bitten ans Unterbewußtsein kombiniert wird  (falls er nicht von vorn herein nur aus einer Bitte besteht)
Zum Abschluss möchte ich Ihnen viel Freude an den Experimenten und Erfolg dabei wünschen. Sollten Sie Fragen haben, schauen Sie bei  FAQ für Selbsthypnose   nach. Finden Sie dort keine Antwort,  mailen  Sie mir Ihre Frage. Ich werde, soweit es mir möglich ist, sie beantworten. Gestehen Sie mir nur etwas Zeit für die Antwort zu.

Ihr Stefan Kelter
 
Wichtiger Hinweis (aus rechtlichen Gründen): Die vorgestellten Inhalte sind über viele Jahre hinweg mit unterschiedlichen Menschen ohne negative Auswirkungen erprobt worden. Trotzdem kann keine Verantwortung für die Entscheidung übernommen werden, diese Methoden anzuwenden. Und insofern ist jeder, der von diesem Angebot Gebrauch machen will, für die Folgen selbst verantwortlich. Im Zweifelsfall nehmen Sie dieses Angebot nicht in Anspruch. Dieses Angebot wendet sich an Menschen, die keine grösseren psychischen Probleme haben. Sollten Sie in Psychotherapie sein, so besprechen Sie dies mit ihrer/m Therapeuten/in.