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Grundkurs in Selbsthypnose
Vorwort: Ich habe diesen Grundkurs, der auf meinen Seminarpapieren beruht, für die Webpage HEILUNG-UND-TRANSFORMATION.DE überarbeitet und mich bemüht so verständlich wie möglich sein. Sollte trotz Korrekturlesen die eine oder andere Formulierung missverständlich geblieben sein,oder entdecken Sie vielleicht sogar einen Sinnfehler im Text, so wäre ich Ihnen dankbar, darauf aufmerksam gemacht zu werden, um die Anleitung entsprechend zu verbessern. Sie können mir aber auch schreiben, wenn Sie zusätzliche Informationen wünschen oder Fragen haben, die weder in diesem, noch in den anderen Texten, die bei www.heilung-und-transformation.de zu finden sind, beantwortet werden.Stefan Kelter
Die hier vorgestellte Methode der Selbsthypnose stammt ursprünglich von einer Betty Erickson und wurde im Laufe der Jahre von mir und anderen modifiziert. Sie beruht auf einer sehr einfachen und genialen Idee und ist entsprechend sehr leicht zu erlernen. (Ich vermittelte diese Selbsthypnose in einer Klinik für suchtkranke Frauen mehr als 4 Jahre einmal in der Woche. Nachdem ich in den ersten 20 Minuten die Methode erklärt und kurz demonstriert hatte, konnten die meisten Patientinnen anschließend leicht bei sich eine Trance erzeugen.)
Beim Vorgehen wird die menschliche Möglichkeit, die eigene Wahrnehmung und die eigenen Geistesprozesse zu beobachten genutzt. Wir haben ja 5 Sinne, den Seh-, den Hör-, den Fühl-,sowie Geruchs- und Geschmackssinn, von denen diese Methode sich der drei Hauptsinne: dem Sehen, dem Hören und dem Fühlen bedient. (Natürlich wird der Geruchs- oder derGeschmackssinn auch berücksichtigt, wenn sie etwas riechen oder schmecken, aber Sie werden die Erfahrungen machen, dass dies eher die Ausnahme bleiben wird.)
Das heißt also, Sie nehmen einfach nur wahr, was gerade in der Wahrnehmung geschieht.
Vielleicht hilft zur Einführung folgendes Bild: Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Theater der/die einzige Zuschauer/in. Auf einer Bühne stehen 5 Personen, auf die Bühne ist ein Spotlicht gerichtet und eine dieser Personen steht im hellen Licht, während die anderen 4 Personen im Halbdunkel stehen. Die Personen im Licht wechseln sich ab und Sie als Zuschauer können die jeweilige Person unterschiedlich lang und oft im Licht stehen und wieder verschwinden sehen, immer abgelöst von einer anderen Person. Sehr schnell wird Ihnen klar, dass von den 5 Personen 3 die wahren Stars sind, d. h. meist steht einer von diesen drei im Licht, während die anderen beiden eher Statisten sind.
Es würde Ihnen vermutlich leicht fallen, sich selbst zu erzählen, welche Person im Rampenlicht steht: ''Jetzt steht Person A im Licht . . . , jetzt steht Person B im Licht . . . , jetzt steht Person C im Licht . . . , die Person C steht noch immer im Licht . . . ,'' etc. In der gleichen Weise gehen wir jetzt bei der Beobachtung unserer Wahrnehmung vor. Die Bühne steht dabei für unsere bewusste Wahrnehmung, die Personen stehen für die 5 Sinne, die Stars sind der Seh-, der Hör- und der Fühlsinn, dagegen übernehmen der Geruchs- und der Geschmackssinn Nebenrollen. Wir erzählen uns nun in einfachen Worten, was gerade bewusst in der Wahrnehmung sich abspielt (= was wir sehen oder hören oder spüren).
Experimentieren Sie doch einfach mal jetzt für einige Minuten mit offenen oder geschlossenen Augen, ob und wie dies bei Ihnen wirkt. Es wäre vorteilhaft, wenn Sie während dieses kurzen Experiments nicht durch Personen, Telefon, etc. gestört würden.
Sie nehmen sich nun vor einige Minuten, sagen wir maximal 5 Minuten zu beobachten, was im Vordergrund Ihrer Wahrnehmung (=Spotlicht der Bühne) sich gerade abspielt. Und was auch immer Sie beobachten können, beschreiben Sie es in einfachen Worten.
Das könnte dann beispielsweise so aussehen: "''Ich sehe den Monitor . . . , ich höre ein Auto . . . , ich spüre den Stuhl . . . , ich spüre ein Jucken im Nacken . . . , ich spüre ein Kribbeln im linken Fuß . . . , ich höre eine Tür . . . , ich fühle eine Entspannung in den Schultern . . . , ich spüre meinen Atem . . . '', etc. etc. Sie haben vielleicht in diesem Beispiel erkannt, dass das Fühlen eine Sonderrolle spielt, weil hier mit offenen Augen sowohl Äußeres (ich spüre den Stuhl), als auch Inneres (ich spüre ein Kribbeln ...eine Entspannung...) erlebt wurde. Sie werden aber feststellen können, dass auch Sehen und Hören innerlich erlebt werden kann, z. B. haben Sie vielleicht das Bild ihres/r Freundes/in vor dem inneren Auge, oder Ihnen geht ein Lied oder das Gesagte aus der letzten Besprechung durch den Kopf. Wir machen aber in der Beschreibung keinen Unterschied, wissen aber jetzt, dass auch in einem ganz ruhigen Raum, mit geschlossenen Augen der Seh- und Hörsinn lebendig sein kann und die Vorgehensweise - beschreiben, was man sieht, hört und fühlt -die gleiche bleibt. Mit anderen Worten wir machen bei der Beschreibung keinen Unterschied, ob es sich bei dem Gesehenen oder Gehörten um etwas Äußeres oder um ein geistiges Bild, eine innere Stimme, Melodie handelt.
Vielleicht nehmen Sie jetzt, bevor Sie weiterlesen, sich die 5 Minuten, um dies auszuprobieren.
OK - ich gehe davon aus, Sie haben sich erlaubt, zu testen, wie es geht und vielleicht gehören Sie zu den Glücklichen, die sogar schon bei diesem Test feststellen konnten, dass Sie ein wenig gelöster und ruhiger wurden. Die Mehrzahl von Ihnen wird dies aber vermutlich nicht oder nur gering erlebt haben, das Prinzip aber ist verständlich geworden, so dass wir in der Beschreibung des Vorgehens schrittweise weiter voran gehen können.
Dabei gehe ich davon aus, dass Sie beim Training der Selbsthypnose sitzen. Es ist empfehlenswert, im Sitzen zu trainieren, da das Liegen häufig mit Schlaf assoziiert wird (siehe dazu auch FAQ zur Selbsthypnose). Nachdem ich das gesamte Vorgehen in den Schritten 1. - 3. vorgestellt habe, werde ich anschließend in einem Beispiel das gesamte Vorgehen noch einmal darstellen. Sie werden sehen, es handelt sich wirklich um eine sehr einfache, schnell zu erlernende Methode.
1. Der erste Schritt ist die mentale Vorbereitung:
Dabei klären wir für uns folgende drei Punkte ab:
1. 1 Wie lange möchte ich in der Trance sein? [Zeitrahmen]
Wie lange ich in Trance sein will, ist natürlich abhängig von der zur Verfügung stehenden Zeit, der Erfahrung und meiner Lust. Auch spielt der Zeitpunkt der Trance eine Rolle. Tagsüber werde ich natürlich eine gewisse Zeit vorgeben - dabei hat sich ein Zeitraum von 10 - 15 Minuten als hilfreich herausgestellt -, aber wenn ich abends im Bett noch eine Trance mache, gebe ich natürlich keine Zeit vor, da wünsche ich mir nur in einen guten Schlaf zu fallen oder in das Reich der Träume (hinüber) zu schweben.
1. 2 Was möchte ich durch die Trance bzw. in der Trance erreichen? [Ziel]
In der ersten Zeit ist das einzige (mögliche) Ziel, den Trancezustand einfach nur zu genießen. Erst nachdem einige Zeit diese Trance eingeübt wurde, der Zustand also schon bekannt ist und wir außerdem darauf vertrauen können, dass das Unterbewusstsein uns sowohl sicher in einen schönen gelösten Zustand und auch wieder zurück in das Alltagsbewusstsein bringt, kann damit begonnen werden, andere Ziele auszuwählen, wie z. B. die Lösung eines Problems oder die Veränderung einer Gewohnheit oder das Herbeiführen und/ oder die Verstärkung einer gewünschten Haltung. (Ausführlich gehe ich in ''Selbsthypnose für Fortgeschrittene'' darauf ein.)
1. 3 Wie möchte ich mich danach fühlen ? [der Zeitabschnitt danach]
Das ist natürlich auch vom Zeitpunkt der Trance abhängig. Tagsüber möchte ich mich danach vermutlich erfrischt, wie nach einem guten Schlaf, voller Tatendrang und Konzentration fühlen, aber abends im Bett möchte ich vermutlich nur einen guten Schlaf und angenehme Träume.
1. 4 Nachdem ich für mich diese drei Schritte geklärt habe, wende ich mich nach innen an mein Unterbewusstsein und bitte es um die Erfüllung dieser Punkte.
2. körperliche Vorbereitung:
Nachdem ich die Schritte unter 1. durch gegangen bin, setze ich mich so hin, dass ich sicher sein kann, dass die gewählte Haltung während der gesamten Zeit angenehm bleiben wird.
2. 1 Stellen Sie die Beine nebeneinander auf den Boden, schlagen Sie die Beine bitte nicht übereinander!
2. 2 Weiterhin achten Sie darauf, dass sich die Hände nicht berühren.
Beide Empfehlungen beruhen auf Erfahrungen. Man hat immer wieder die Erfahrung gemacht, dass voneinander gelöste Hände die Einleitung einer Trance erleichtern. Und die übereinandergeschlagenen Beine würden schnell zu unangenehmen Beschwerden führen, denn swowohl das angestaute Blut als auch der Druck auf das Muskelgewebe würden sich in der Trance deutlicher bemerkbar machen, als bei einer Unterhaltung, die von uns ablenkt.
Ansonsten können Sie natürlich jederzeit ihre Haltung ändern, wenn Sie dazu das Bedürfnis haben sollten.
3. die eigentliche Trance
3. 1 Und jetzt suchen Sie sich einen Punkt, der leicht anzuschauen ist. Das kann ein Punkt auf dem Boden oder an der Wand sein, es kann aber auch ein Punkt auf der eigenen Hand sein. Vielleicht haben Sie aber auch einen Wandteppich, ein Bild, einen Gegenstand oder etwas, wo sich das Licht reflektiert. Und diesen ausgewählten Punkt fixieren Sie jetzt mit gelöstem Blick.
3. 2 Und dann gehen Sie so vor, wie Sie es schon im Test gemacht haben. Erzählen Sie sich in einfachen Worten, was bei Ihnen in den Vordergrund der Wahrnehmung tritt. Und das kann, wie schon erklärt etwas Gesehenes oder Gehörtes oder Gefühltes (und seltener ein Geruch oder ein Geschmack)sein.
Während man nun den Punkt mit gelöstem Blick anschaut, sieht man im äußeren (peripheren) Sichtfeld sehr viel mehr: Farben, Bewegungen, Flecken im Holz, etc.
Und man hört vielleicht Straßengeräusche, irgendwelche Geräusche im Raum, Stimmen, das Summen einer Fliege etc.
Beim Fühlen kann es sich um das Fühlen von Äußerem, wie z. B. die Raumtemperatur, die Berührung mit dem Sitz, der Kleidung oder die Schuhe an den Füßen handeln, als auch um inneres Spüren handeln: irgendwelche Körpergefühle, die Temperatur der Hände, Spannungen oder Lösungen in den Schultern, Temperatur der Füße, die Atmung, eine Schluckbewegung, ein Jucken, etc. etc., was auch immer in die Wahrnehmung kommt. Es ist klar, dass immer nur eine Sache im Vordergrund steht und beschrieben wird und dass Sie einfach abwarten können, was in den Vordergrund tritt - das darf ganz banal wirken.
Und dann werden Sie nach einiger Zeit vielleicht bemerken, dass das periphere Sehen geringer wird, der Blick wird enger, und vielleicht haben Sie den Eindruck eines tunnelartigen Sehens, bevor sich die Augen schließen wollen.
Es gibt einige Menschen, die möchten die Augen lieber aufhalten - und das ist auch vollkommen in Ordnung -, aber für die meisten ist es angenehmer, wenn sie die Augen nach einiger Zeit schließen. [Der einzige Nachteil der offenen Augen kann eine geringe Austrocknung der Augen und damit verbunden eine kurzzeitige kleine Reizung nach der Trance sein. Dies wird hervorgerufen durch den in der Trance verlangsamten Lidschlag. Die Reizung hält aber nur kurz an, dass sollte Sie nicht abhalten, die Augen geöffnet zu halten, wenn dies für Sie besser ist.]
Ich möchte Ihnen jetzt beispielhaft das gesamte Vorgehen noch einmal, wie angekündigt darstellen: Nehmen wir an, ich habe mir also in der Mittagspause etwas Zeit für die Trance reserviert. Ich habe weiterhin dafür gesorgt, dass mich weder Kollegen/innen, noch das Telefon stören werden. Ich habe für mich abgeklärt- wie unter 1. beschrieben - , dass ich 10 Minuten in eine Trance gehen und mich anschließend erholt und konzentriert fühlen möchte.
Wie unter 2. beschrieben, setze ich mich also hin, wende mich nach innen und spreche (lautlos) mein Unterbewusstsein an: "''Ich möchte Dich, mein Unterbewusstsein bitten mir eine gute, angenehme Trance für 10 Minuten zu schenken und mich nach dieser Trance so zurück zu holen, dass ich mich anschließend ganz frisch und erholt, wie nach einem guten Schlaf fühle.''
Und während ich - wie unter 3. beschrieben - auf meinen gewählten Punkt schaue, erzähle ich mir selbst in einfach Worten, was ich wahrnehme: "''Ich sehe diesen Punkt, ich sehe die Farben in dem Holz, ich höre ein Auto, ich fühle ein Kribbeln in der Hand, ich höre eine Stimme, ich sehe den Punkt, ich sehe eine Bewegung, ich spüre die Stuhllehne, ich spüre den Atem, ich spüre meine Augen müder werden, ich höre Schritte, meine Augen schließen sich, ich sehe meine Freundin, ich spüre eine Entspannung in den Schultern, ich denke an meine Steuererklärung, ich fühle mich unwohl, ich höre Rod Stewarts Sailing, ich sehe den Strand von Goya, . . .'' etc. etc.
Nach einiger Zeit höre ich auf zu beschreiben, ich fühle mich einfach gelöst und wohl, genieße diesen Zustand, eine genaue Zeitwahrnehmung habe ich vielleicht derzeit nicht, ich verschwende auch keinen Gedanken daran. Dann, es scheinen vielleicht erst wenige Augenblicke vergangen zu sein, spüre ich auf einmal den Wunsch die Augen wieder zu öffnen, ich beginne mich zu strecken und zu räkeln und nachdem ich die Augen geöffnet habe, schaue ich auf meine Uhr: ich habe 11 Minuten hier gesessen - ich stelle wieder einmal fest, auf mein Unterbewusstsein ist Verlass; ich wurde wie gewünscht nach 10 Minuten wieder geweckt und gehe erfrischt und konzentriert an die Arbeit.
Mit diesem Beispiel verabschiede ich mich jetzt von Ihnen und Sie können jetzt, wenn Sie wollen, Ihre ersten Erfahrungen in Selbsthypnose machen.
Nachdem Sie einige Zeit Erfahrungen mit der hier vorgestellten Selbsthypnose gesammelt haben und ihre Fähigkeiten erweitern wollen, lesen Sie die Fortsetzung Selbsthypnose für Fortgeschrittene. Bei Fragen können Sie mir eine schreiben.
Ihr Stefan Kelter
Wichtiger Hinweis (aus rechtlichen Gründen): Die vorgestellten Inhalte sind über viele Jahre hinweg mit unterschiedlichen Menschen ohne negative Auswirkungen erprobt worden. Trotzdem kann keine Verantwortung für die Entscheidung übernommen werden, diese Methoden anzuwenden. Und insofern ist jeder, der von diesem Angebot Gebrauch machen will, für die Folgen selbst verantwortlich. Im Zweifelsfall nehmen Sie dieses Angebot nicht in Anspruch. Dieses Angebot wendet sich an Menschen, die keine grösseren psychischen Probleme haben. Sollten Sie in Psychotherapie sein, so besprechen Sie dies mit ihrer/m Therapeuten/in.
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